Anna-Seghers-Bibliothek: Vizekanzler besichtigt Mainzer Neubauprojekt

Oberbürgermeister Nino Haase hat Minister aus Bund und Land empfangen und für eine Förderung des Bibliotheksprojekts am Gutenbergplatz geworben. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sowie aus Rheinland-Pfalz Ministerin Doris Ahnen und Minister Sven Teuber werteten das Mainzer Modellprojekt als ein gutes Beispiel für eine Zukunftsinvestition. Die Stadt Mainz wird noch in diesem Jahr eine Bund-Länder-Förderung hierfür beantragen.
Nach einem halben Jahrhundert an den Bonifazius-Türmen soll die öffentliche Anna-Seghers-Bibliothek in einen Neubau in zentraler Lage an den Gutenbergplatz ziehen – so die Planung der Stadt Mainz. Die Bibliothek gewinnt so deutlich mehr Fläche, die bisher getrennten Standorte (Publikumsbereiche und Verwaltung) werden vereint, zudem entfallen Mietkosten und sinken Energiekosten. Zugleich können hier zeitgemäße Bibliothekskonzepte umgesetzt werden. Das Philharmonische Staatsorchester wird überdies einen Probe- und Konzertsaal beziehen, der sich über ein „Kulturfenster“ zum Gutenbergplatz öffnet. Das Gebäude wird von einer Projektentwicklungsgesellschaft der regionalen Partner J. Molitor Immobilien GmbH, Sparkasse Rhein-Nahe und Domkapitel Mainz entwickelt.
Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Staatstheater entsteht ein Kulturquartier im Herzen der Stadt.
Der Erwerb des Neubaus ist der Landeshauptstadt Mainz jedoch nur möglich, wenn Fördermittel aus dem „Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur“, mit dem das Land Rheinland-Pfalz das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes umsetzt, gewährt werden.
Die Stadt Mainz wird, sobald es möglich ist, eine Förderung aus dem Rheinland-Pfalz-Plan für das Projekt beantragen. Das Vorhaben wird daher voraussichtlich eines der ersten kommunalen Investitionsprojekte sein, für das eine Förderung aus dem Rheinland-Pfalz-Plan beantragt wird. Nach Einschätzung der Stadt Mainz könnte es zudem eines der frühesten Kommunalprojekte in Deutschland werden, das mit Mitteln des Sondervermögens des Bundes umgesetzt werden kann. Oberbürgermeister Nino Haase hat bei dem Rundgang intensiv bei den Vertretern von Bund und Land für eine Förderung des für alle Beteiligten so attraktiven Neubauprojekts geworben.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil: „Wir investieren in Bibliotheken – und damit in Bildungschancen. Hier ist Wissen für alle zugänglich, unabhängig vom Geldbeutel, der Herkunft, der Ausbildung oder dem Beruf. Die Bibliothek am Gutenbergplatz in Mainz ist deshalb ein gutes Beispiel, wie wir in die Zukunft investieren. Genau solche Orte brauchen wir: Hier kommen Menschen zusammen, hier geht es um Bildung und Ideen. Ich wünsche dem Team der Bibliothek viel Erfolg!“
Oberbürgermeister Nino Haase: „Der Bau einer modernen Bibliothek in zentraler Lage ist eine kraftvolle Investition in den Bildungsstandort und ein attraktiver Frequenzbringer für unsere Innenstadt. Wir möchten das Projekt schnellstmöglich auf die Schiene setzen. Unser ambitioniertes Ziel ist, dass die neue Anna-Seghers-Bibliothek das erste größere kommunale Projekt wird, das aus dem Rheinland-Pfalz-Plan finanziert und dann auch in kürzester Zeit realisiert wird. Auch deshalb wäre es ein für Rheinland-Pfalz beispielgebendes Investitionsprojekt. Ein von Bund und Land geförderter Neubau ist zugleich ein nachhaltiger Beitrag zur Haushaltskonsolidierung, da wir künftig jedes Jahr erhebliche Miet- und Energiekosten einsparen können. Das Projekt passt daher perfekt ins Infrastrukturprogramm von Bund und Ländern. Besser kann man kaum investieren.“
Doris Ahnen, Finanzministerin des Landes Rheinland-Pfalz: „Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität löst Wachstumsimpulse in ganz Deutschland aus. Sei es die sanierte Bahnstrecke, der verbesserte Zivilschutz oder die neue Sporthalle – jeder investierte Euro macht einen Unterschied für die Menschen vor Ort und für die Unternehmen, die planen und bauen dürfen. Als Land geben wir 60 Prozent der Mittel an die Kommunen weiter und stocken diese noch um 600 Millionen Euro auf. Für die nächsten knapp zwölf Jahre sind das 3,51 Milliarden Euro, die in den Kommunen investiert werden können.“
Sven Teuber, Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz: „Wer liest, lernt andere Perspektiven kennen, wägt ab und bildet sich ein eigenes Urteil. In einer Zeit, in der Algorithmen vorsortieren und Lautstärke oft mehr zählt als Argumente, ist das wichtiger denn je. Dass 2026 ausgerechnet eine Bibliothek zu den ersten Vorhaben aus dem Sondervermögen gehören kann, ist deshalb ein bewusstes Signal. Sie trägt den Namen von Anna Seghers, einer Mainzerin, die mit ihren Büchern gegen die Diktatur angeschrieben hat. Mit dem Staatsorchester unter einem Dach und dem vielfach ausgezeichneten Staatstheater gegenüber entsteht am Gutenbergplatz ein echtes Kulturquartier. Kultur schafft die Orte, an denen wir einander zuhören, streiten und uns verständigen. Wer hier investiert, investiert in unsere Demokratie.“
Ata Delbasteh, Dezernent für Kultur und Schule der Stadt Mainz: „Bibliotheken sind Orte der Bildung für alle. Unsere Planung bedeutet: viel mehr Fläche, beste Lage und modernste Ausstattung. Zugleich können hier zeitgemäße Bibliothekskonzepte umgesetzt werden: Dritter Ort, Makerspace, attraktive Aufenthaltsinseln, multimediale Angebote, nutzerfreundliche Selbstverbuchung, Open Library. So gelingt eine positive Weiterentwicklung der Mainzer Bibliothekslandschaft.“
Tina Badrot, Geschäftsführerin der J. Molitor Immobilien GmbH, die das Projekt gemeinsam mit der Sparkasse Rhein-Nahe und dem Domkapitel Mainz entwickelt: „Für uns war von Anfang an klar, dass an diesem besonderen Standort ein Ort der Begegnung entstehen muss. Bis aus dieser Idee ein tragfähiges Konzept werden konnte, waren Mut, Überzeugungsarbeit und viele Gespräche notwendig. Dass wir heute dank der vielen Möglichmacher von Stadt, Land und Bund auf dem Weg zur Realisierung der neuen Anna-Seghers-Bibliothek und des Staatsorchesters sind, ist ein starkes Signal. Es zeigt, was möglich wird, wenn Menschen gemeinsam an eine Idee glauben und sie mit Mut und Beharrlichkeit verfolgen.“
Markus Müller, Intendant und Geschäftsführer des Staatstheater Mainz: „Der hier durch die Unterstützung des Bundes entstehende neue Orchesterproben- und Kammermusiksaal ist für uns von großer Bedeutung. Gerade sind wir als Staatstheater Mainz zum Opernhaus des Jahres gewählt worden – um diese künstlerische Exzellenz halten zu können, brauchen wir dringend gute, bessere Probenbedingungen. Exzellenz auf der einen – Teilhabe auf der anderen Seite: Als dritter Ort im Verbund mit der Anna-Seghers-Bibliothek können wir niedrigschwellig diejenigen einladen, die ihren Weg nicht automatisch zur Kultur finden. Das ist gesellschaftlich ein wichtiges Signal, denn Kultur macht Resonanzräume auf, in denen Demokratie zum Klingen gebracht wird. Als kreative Antwort auf die gefährlichen Töne jener in den Echoräumen, die gerade aggressiv die Freiheit der Kunst angreifen.“
Hintergrundinformationen
Der Mainzer Stadtrat hat am 17. Juni 2026 die von der Stadtverwaltung vorgelegte Planung für die neue Bibliothek am Gutenbergplatz beschlossen. Deren oberstes Ziel ist, den Mainzer:innen auch in den kommenden Jahrzehnten eine attraktive öffentliche Bücherei in zentraler Lage bieten zu können. Zugleich soll, so der Plan, die Bibliotheksfläche gegenüber dem aktuellen Standort um mehr als 60 Prozent wachsen, da Mainz gemessen an seiner Bevölkerungszahl hier großen Nachholbedarf hat, was bundesweite Vorgaben und Städtevergleiche belegen. Mit dem Umzug der Anna-Seghers-Bibliothek in den Neubau soll zudem auch in eine moderne Ausstattung investiert werden.
Der Stadtratsbeschluss sieht zwei Optionen vor: Die „kleine Lösung“ besteht darin, am Anwesen ein Teilerbbaurecht mit einer Laufzeit von 99 Jahren zu erwerben. Präferiert wird eine „große Lösung“, sofern diese durch eine Förderung zu 90 % finanziert werden kann: Demnach soll das gesamte Anwesen erworben werden. Die Stadt Mainz wäre dann alleinige Eigentümerin von Grundstück und Gebäude, sobald es fertiggestellt ist. Die Mehrkosten gegenüber der „kleinen Lösung“ sollen u. a. finanziert werden, indem das nicht mehr benötigte Grundstück am ehemaligen „Haus des Deutschen Weins“ veräußert wird. Zudem bekäme die Stadt dann regelmäßige Einnahmen aus der Vermietung des Obergeschosses an das Staatstheater für einen Orchesterproben- und Kammermusiksaal.
Realisiert werden soll das Projekt mithilfe einer Förderung aus dem „Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur“. Bereits im April hat Mainz als erste Kommune in Rheinland-Pfalz das hierfür geforderte „regionale Umsetzungskonzept“ vorgelegt.
Das Förderprogramm Rheinland-Pfalz-Plan hat ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro, mit denen Investitionen der Kommunen in den kommenden zwölf Jahren unterstützt werden sollen. Auf Mainz entfällt ein Regionalbudget in Höhe von rund 167 Mio. Euro. Die Anträge zur Förderung können noch in diesem Jahr gestellt werden.
Öffentliche Bibliotheken als bundesweit meistbesuchte kulturelle Einrichtung bieten allen Altersgruppen und sozialen Schichten – niedrigschwellig und ohne jeglichen Konsumzwang – freien Zugang zu Wissen und Information, fördern die Sprach-, Lese- und Medienkompetenz, unterstützen die pluralistische und demokratische Meinungsbildung. Als Orte des Austauschs, der Begegnung, der kulturellen, digitalen und gesellschaftlichen Teilhabe leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Stärkung des Gemeinwesens, wirken der gesellschaftlichen Spaltung entgegen und bereichern das öffentliche Leben.
Seit 1980 befindet sich die Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherei Mainz – Anna Seghers auf einer Fläche von 1.600 m² zwischen den beiden Bonifaziustürmen. Außerhalb dieser Flächen ist die Verwaltung (Büros und Lagerflächen) im Bonifaziusturm A untergebracht und verteilt sich über zwei Etagen. Die Mietverträge laufen in den kommenden Jahren aus. Eine Sanierung der Räumlichkeiten und eine Modernisierung der Ausstattung steht an. Ferner sind die Flächen – gemessen an bundesweiten Vorgaben sowie im Städtevergleich – deutlich zu klein. Der Bedarf hinsichtlich Aufenthaltsqualität (Ort zum Lesen, Lernen, Arbeiten und zum gemeinsamen Austausch für durchschnittlich 750 Besucher:innen pro Öffnungstag sowie mehr Angebote und Fläche der Kinderbibliothek) ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Mit einem Neubau am Gutenbergplatz eröffnet sich die einmalige Gelegenheit zur Schaffung einer modernen Bibliothek in zentraler Lage mit deutlich mehr Flächen – mit einem Wachstum im Publikumsbereich von rund 1.600 m² auf knapp 2.700 m². Publikums- und Verwaltungsbereich unter einem Dach ermöglichen eine zeit- und ressourceneffiziente Arbeitsorganisation zum Nutzen aller Beteiligten. So gelingt eine positive Weiterentwicklung der Mainzer Bibliothekslandschaft auf Grundlage des Bibliotheksentwicklungsplans für das Land Rheinland-Pfalz (2025). Zugleich können hier zeitgemäße Bibliothekskonzepte umgesetzt werden: „Dritter Ort“, Makerspace, attraktive Aufenthaltsinseln, multimediale Angebote, nutzerfreundliche Selbstverbuchung, „Open Library“.
Kosten und Zeitplan
Im Verwaltungsentwurf des Haushaltsplans 2027 ist für das Projekt „Kulturhaus“ am Gutenbergplatz eine Investitionssumme von 48,5 Euro vorgesehen (ohne Ausstattung). Der Stadtrat muss diesem noch zustimmen.
Eine Eröffnung der Anna-Seghers-Bibliothek im Neubau am Gutenbergplatz ist für Sommer 2028 vorgesehen – unter der Voraussetzung, dass eine Förderzusage zügig erfolgt.